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Grundbegriffe der Pathologie



Die Pathologie ist das Teilgebiet der Medizin, das sich mit der Erforschung und Lehre von den Ursachen (Ätiologie), der Entstehung (Pathogenese), dem Verlauf und den körperlichen Vorgängen während einer Erkrankung (Pathophysiologie) beschäftigt.

Krankheitsverläufe

Das Ziel jeder ärztlichen Behandlung ist die vollständige Heilung des Patienten. Wenn sich Beschwerden oder entstandene körperliche Veränderungen vollständig umkehren, also heilen lassen, sind sie reversibel. Als irreversibel werden dagegen bleibende Veränderungen bezeichnet – z. B. führt ein länger anhaltender Sauerstoffmangel im Gehirn zu nicht heilbaren Schäden.

Weiter unterscheiden Ärzte zwischen akuten und chronischen Erkrankungen. Für einen akutenKrankheitsverlauf sind plötzlich einsetzende, zum Teil heftige Beschwerden charakteristisch, dafür dauert die Erkrankung in der Regel nur kurz. Der Patient leidet an mehreren oder allen der fünf „Kardinalsymptome“ der Entzündung.

Heilt eine Erkrankung nicht aus oder können die Ursachen nicht beseitigt werden, „verstetigt“ sie sich. Chronische Erkrankungen entwickeln sich schleichend, zeigen oft geringere Beschwerden als akute Verläufe, dauern dafür jedoch umso länger. Einige chronische Erkrankungen verschlimmern sich immer weiter und lassen sich durch eine Behandlung nur verlangsamen, aber nicht stoppen. Diese Erkrankungen (wie Alzheimer oder AIDS) heißen fachsprachlich chronisch-progedient.

Manchmal heilen Erkrankungen auch völlig aus oder verursachen zumindest keinerlei Beschwerden mehr, treten aber nach einiger Zeit erneut auf. Solche Rückfälle (Rezidive) treten häufig bei Magenleiden, Bronchitiden und Krebs auf, aber auch bei Entzündungen oder Infektionen (typisch z. B. beim Lippenherpes) – hier spricht man von rezidivierenden Erkrankungen.

Schrumpfung und Vergrößerung von Gewebe

Zellen und Gewebe im menschlichen Körper passen sich an veränderte Bedingungen an, dies betrifft sowohl die Anzahl als auch die Größe der Zellen.

Als Anpassung auf eine verminderte Beanspruchung oder eine schlechtere Versorgung können Organe (oder Gewebe) schrumpfen, indem sie die Zellen verkleinern oder ihre Anzahl reduzieren (Atrophie). Beispielsweise schrumpfen die Muskeln eines eingegipsten Körperteils mit der Zeit.

Umgekehrt kann das Gewebe auch zunehmen, um sich veränderten Belastungen (z. B. zunehmende Belastung oder hormonelle Stimulation) anzupassen. Kaum oder nur eingeschränkt teilungsfähige Zellen wie Muskeln reagieren mit einer Vergrößerung (Hypertrophie), z. B. verdicken sich bei Sport und Bodybuilding die belasteten und trainierten Muskeln. Bei teilungsfähigem Gewebe kommt es meist zu einer als Hyperplasie bezeichneten Zellvermehrung, z. B. als Reaktion auf Giftstoffe oder hormonelle Veränderungen (so z. B. bei der Prostatavergrößerung).

Zell- und Gewebeschäden

Ist die Anpassung der Zellen überfordert, so treten mehr oder weniger reversible Schäden auf. Sie sind Gegenstand von zytologischen Untersuchungen.

  • Wenn der Stoffwechsel oder andere Funktionen des Körpers gestört sind, kann es zur Ablagerung von Stoffen innerhalb und außerhalb der Zellen kommen. Sie schränken die Funktion des Gewebes ein und können sogar zum Tod der betroffenen Zellen führen. Bei dauerhaftem Alkoholmissbrauch kommt es z. B. zu Fettablagerungen in Leberzellen, bei der Arteriosklerose deuten Kalkablagerungen auf abgestorbenes oder zumindest eingeschränkt vitales Gewebe hin.
  • Von einem Ödem(Wassereinlagerung)spricht man, wenn sich Flüssigkeit im Bindegewebe zwischen den Zellen ansammelt und das Gewebe zum Anschwellen bringt. Ödeme treten auf, wenn vermehrt Flüssigkeit aus dem Blut austritt (das ist bei allen lokalen Entzündungen der Fall) oder wenn der Blutrückfluss gestört ist (z. B. bei der chronisch venösen Insuffizienz).
  • Bei einem Erguss sammelt sich Flüssigkeit in bestehenden Körperhöhlen wie einem Gelenkspalt oder der Paukenhöhle im Mittelohr an. Er entsteht z. B. durch Blutstauungen oder Entzündungen. Lebensbedrohlich ist der Pleura-Erguss im Brustkorb zwischen Rippen- und Lungenfell.
  • Bei einer Fibrose entsteht zu viel kollagenes Bindegewebe zwischen den Zellen, dadurch nimmt die Elastizität des Gewebes ab und es verhärtet (Sklerose). Ursachen können abgestorbene Zellen, länger anhaltende Entzündungen oder nichtentzündliche Ödeme sein. Ein typisches Beispiel ist die Kapselfibrose im Gewebe um ein Implantat (z. B. bei Brustvergrößerungen) oder der Funktionsverlust der Lunge bei einer Lungenfibrose.
  • Als Nekrose bezeichnet man abgestorbene Organ- oder Gewebebezirke. Mögliche Ursachen sind Sauerstoffmangel, Vergiftungen, physikalische Schäden wie Hitze oder Immunreaktionen (z. B. bei der Abstoßung von Transplantaten). Wenn sich die Nekrose durch Verwesungsprozesse schwärzlich verfärbt, bezeichnet man sie auch als Gangrän oder Brand, da die betroffenen Stellen tatsächlich wie verbrannt aussehen. Häufig sind Extremitäten mit Durchblutungsstörungen betroffen, deshalb müssen sich z. B. Diabetiker oder Personen, die an der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit leiden, besonders intensiv um ihre Füße kümmern (Fußpflege).

Die Entzündungsreaktion

Entzündungen laufen im gesamten Körper nach dem gleichen Muster ab. Die Entzündungsreaktion ist der Versuch des Körpers, eine Gefahr einzugrenzen, sie abzuwehren und anschließend den Schaden zu reparieren. Mit diesem Mechanismus reagiert der Körper auf Krankheitserreger (Bakterien und Viren), fremdkörperbedingte Hautverletzungen (z B. bei einem Splitter im Finger) und auf physikalische Reize (z. B. Hitze oder Druck).

Fünf typische Krankheitszeichen (Kardinalsymptome) lassen sich bei jeder Entzündung beobachten, auch wenn ihre Stärke variiert: Schmerz, Rötung, Schwellung, Überwärmung und Funktionsbeeinträchtigung. Während bei einem Wespenstich im Finger alle fünf Krankheitszeichen deutlich zutage treten, bemerken wir z. B. von einem Schnupfen vor allem die Schwellung und die gestörte Funktion – die gerötete Nasenschleimhaut sieht nur der Arzt, und die Schmerzen und die Überwärmung fallen gar nicht ins Gewicht.

Bei Autoimmunerkrankungen wie Autoimmunhepatitis oder Diabetes Typ 1 bringt auch körpereigenes Gewebe diese Entzündungsreaktion in Gang. Je nachdem, ob nur ein Teil oder der gesamte Körper betroffen ist, spricht man von einer lokalen bzw. systemischen Entzündung.

Die medizinischen Bezeichnungen für Entzündungen setzen sich in der Regel aus dem Namen des Körperteils und der Endung -itis zusammen, z. B. Dermatitis bei der Haut oder Appendizitis beim Wurmfortsatz des Blinddarms.

Ablauf der Entzündungsreaktion

 

Die Entzündungsreaktion wird von Botenstoffen gesteuert, die der Körper im betroffenen Gebiet freisetzt. Zu diesen Botenstoffen gehören Gewebehormone und Neurotransmitter wie Histamin, Zytokine (sie regen die T- und B-Zellen des Immunsystems an) oder Prostaglandine (sie weiten die Gefäße und erhöhen ihre Durchlässigkeit, lösen aber auch Schmerzen aus). Die Wirkung vieler Schmerzmittel basiert darauf, diese Botenstoffe zu unterdrücken.

Das Zusammenspiel der Botenstoffe sorgt dafür, dass sich die Poren der Gefäße weiten. An der Entzündungsstelle treten Blutplasma und weiße Blutkörperchen (Leukozyten) aus. Das Gewebe schwillt an (Ödem). Die weißen Blutkörperchen übernehmen zusammen mit ortsständigen Fresszellen (Phagozyten) die Eingrenzung und Bekämpfung des Auslösereizes. Sie bilden eine Art Saum um das betroffene Gewebe und zerstören die infizierten und beschädigten Teile – aus den Blut, Zell- und Bakterienresten entsteht Eiter. Er ist, abhängig von den Umständen und den beteiligten Bakterien, dünn- bis dickflüssig und hat eine gelbliche bis grünliche Farbe. Zugleich sorgt die Blutgerinnung dafür, dass sich kleinere Blutgefäße in der direkten Umgebung des Entzündungsherds verschließen. Dieses Gewebe stirbt in der Folge ebenfalls ab und macht Platz für die Bildung von Ersatzgewebe.

Schon bald nach Beginn der Entzündung (nach 12–36 Stunden) stoßen Botenstoffe den Heilungsprozess an. Er beginnt mit Bindegewebezellen und kleinen Blutgefäßen, die sich vom Rand aus in das entzündete Gebiet ausbreiten. Innerhalb von 3–4 Tagen entsteht so ein gefäßreiches, schwammiges Bindegewebe (Granulationsgewebe), das später von den üblicherweise an der betroffenen Stelle vorhandenen Zellen durchsetzt wird. Dadurch klingt die Schwellung allmählich ab.

Bei größeren Entzündungen gelingt die Wiederherstellung oft nicht völlig und es bleibt ein funktionell eingeschränktes Narbengewebe zurück – da es reich an Bindegewebefasern ist, fühlen sich Narben oft hart an.

Formen von Entzündungen

Prinzipiell verlaufen alle Entzündungen zwar nach einem gemeinsamen Schema, je nachdem, welche Auswirkungen besonders ausgeprägt sind, unterscheidet man jedoch verschiedene Formen.

Bei serösen Entzündungen dominieren der Austritt von Blutplasma und das Anschwellen (z. B. bei einem Insektenstich oder Schnupfen), in der Regel heilen sie folgenlos ab.

Eine eitrige Entzündung (pyogene Entzündung) entsteht vor allem, wenn Bakterien wie Streptokokken oder Staphylokokken beteiligt sind.

  • Wenn sich der Eiter in einem durch die Entzündung entstandenen Hohlraum abkapselt, entsteht ein Abszess. Er führt oft zu einer starken Schwellung und ist sehr schmerzhaft. Abgekapselte Eiteransammlungen in Haarfollikeln oder Talgdrüsen bezeichnet man als Furunkel.
  • Eiter kann sich auch in bereits vorhandenen Hohlräumen des Körpers ansammeln (Empyem), z. B. in einem Gelenk oder in den Nasennebenhöhlen.
  • Besondere Gefahr droht bei flächigen, sich diffus ausbreitenden eitrigen Entzündungen (Phlegmone) wie z. B. der Orbitalphlegmone der Augenhöhle. Sie werden mit Antibiotika behandelt, bei Bedarf entfernt der Arzt zusätzlich den Eiter und abgestorbenes Gewebe aus der entzündeten Region.

Eitrige Entzündungen bergen immer die Gefahr, dass der Eiter über die Blutbahn in andere Körperteile gerät, wo er lebensgefährliche Entzündungen auslösen kann. Möglich sind z. B. eine Blutvergiftung (Sepsis) oder eine Hirnhautentzündung. Daher sollten größere Eiteransammlungen nur kontrolliert vom Arzt geöffnet und geleert werden.

Bei proliferativen Entzündungen schießt die Gewebeneubildung über das Ziel hinaus und produziert zu viel neues, faserreiches Bindegewebe (Fibrose). Unter Umständen schränkt es die Funktion des betroffenen Körperteils ein.

Bei granulomatösen Entzündungen sammeln sich Bindegewebezellen und entzündungsbekämpfende Zellen an und bilden Knötchen (Granulome), z. B. bei der Tuberkulose.

Ulzerierende Entzündungen (geschwürige Entzündungen) zeichnen sich dadurch aus, dass die Entzündung das betroffene Gewebe „auflöst“ – es entstehen ausgedehnte, tief reichende Defekte in Häuten, Schleimhäuten oder Gefäßinnenwänden (z. B. an der Darmschleimhaut bei Colitis ulcerosa). Diese Defekte werden Ulkus oder Geschwür genannt.

Geschwür und Geschwulst werden umgangssprachlich oft miteinander verwechselt: Bei einem Geschwür kommt es zu einer Zerstörung der Oberfläche von Haut oder Schleimhaut durch einen entzündungsbedingten Schwund des Gewebes. Von einer Geschwulst spricht man dagegen, wenn Gewebe neu gebildet wird.

Eine Zyste ist ein Hohlraum im Gewebe, der mit dünn- oder dickflüssiger, klarer bis blutig-eitriger Flüssigkeit gefüllt ist. Ihr Inhalt wird von einer Außenhaut, dem Zystenbalg, zusammengehalten. Wenn eine Flüssigkeitsansammlung nur von Bindegewebe umgeben ist, spricht man von einer Pseudozyste.

Oft ist zur Entfernung ein kleiner chirurgischer Eingriff nötig. Bei einer Zystektomie(Zystenentfernung) wird die Zyste mitsamt ihres Balgs entfernt, bei einer Zystostomie(Zysteneröffnung) dagegen wird die Zyste nur geöffnet und geleert.


07.03.2008 | Von: gesundheit-heute.de; Dr. med. Arne Schäffler, Thilo Machotta


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